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Literatur+Sprache / Kulturveranstaltung Literaturhaus Salzburg Salzburg, Strubergasse 23
Aufführungen / Theater Kleines Theater Salzburg Salzburg, Schallmooser Hauptstr. 50
Aufführungen | Theater

WeGe theater: wieder genau 55

Literaturhaus Salzburg

Improvisationstheater Neu und überraschend ist das Impro-Format des Salzburger WeGe-theaters immer – und längst ein Fixpunkt im Jahresprogramm des Salzburger Literaturhauses. Nun laden die Akteure zum ihrem Jänner-Auftritt ein! Es geht um eine Sache, die es schon wert ist, auseinandergenommen und sorgfältig überholt zu werden. Was da erzählt wird, verdient das Gütesiegel „neu renoviert“ (leichte Gebrauchsspuren werden zugestanden). Auf der Bühne sind wie immer 5 bis 7 engagierte Laienschauspieler*innen, die in 55 Minuten eine Geschichte entwerfen – oder mehrere Geschichten, die am Ende möglicherweise zusammenfinden zu einer besonderen Erzählung. Sicher ist nichts, denn alles entsteht aus dem Moment … Eintritt € 10/8/6 Veranstalter: Verein Literaturhaus, WeGe Theater
Aufführungen | Film

All the World´s a Screen: Henry V | Laurence Olivier

Literaturhaus Salzburg

Filmclub | Shakespeare im Film England 1415. Im Namen Edwards III. erhebt der junge Normannenkönig Henry V. seinen Anspruch auf den französischen Thron und setzt mit einem Heer auf das Festland über. Der schwache französische König zögert lange, bis er dem Siegeszug der Engländer entgegentritt. Als Krankheiten und mangelnde Verpflegung das Heer schwächen, will sich Henry V nach Calais zurückziehen. Bei Azincourt steht ihm eine französische Übermacht gegenüber. Vor der Schlacht kann der König seine Männer aber derart motivieren, dass die Engländer den Gegner vernichtend schlagen. Basierend auf dem bedeutendsten Historiendrama des Autors schuf Laurence Olivier als Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor mit „Henry V“ seine von vielen am höchsten bewertete Shakespeare-Verfilmung. Sie ist auch zeitgeschichtlich signifikant: Während des Zweiten Weltkriegs gedreht, wurde die Siegeserzählung von Henry V zur Stärkung des Nationalstolzes der britischen Truppen instrumentalisiert. Einführung: Manfred Mittermayer Eintritt Kartenpreise DAS KINO, Mitglieder Leselampe und DAS KINO frei Veranstalter: Das Kino, Literaturforum Leselampe www.daskino.at
Aufführungen | Oper

Il viaggio a Reims

Salzburger Pfingstfestspiele

ossia L’ALBERGO DEL GIGLIO D’ORO Dramma giocoso in einem Akt (1825) Libretto von Luigi Balochi, teilweise basierend auf dem Roman Corinne, ou L’Italie von Madame de Staël Neuinszenierung Auf der Reise zur Krönung von Karl X. in Reims strandet eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Personen in einem Kurhotel in der Provinz. Pech für sie, Glück für uns, denn so erleben wir eine höchst unterhaltsame Parade von Figuren in einem Geflecht aus Liebeleien und Eifersucht, Enthusiasmus und Eitelkeit, Idealen und Spleens … Rossini komponierte Il viaggio a Reims 1825 für die Feierlichkeiten eben jener Krönung, die als historisches Ereignis in die Oper selbst eingegangen ist. Das extravagante Gelegenheitsstück wartet mit nicht weniger als zehn anspruchsvollen Hauptrollen auf und bildet das erste Werk, das Rossini für Paris schrieb. Zugleich ist Il viaggio a Reims die letzte Oper in seiner Muttersprache — eine späte Opera buffa, die lustvoll mit nationalen Klischees spielt (die Hotelgäste kommen aus allen Richtungen Europas) und selbstironisch Konventionen der italienischen Oper parodiert. Die äußere Handlung ist minimal, doch Barrie Kosky hat für seine Inszenierung eine Menge an Feydeau’schem Witz, Drive und erotischem Slapstick parat — Ingredienzen, die im Verein mit Rossinis elektrisierender Musik ein Delirium aus Verrücktheit und Komik verheißen. Gianluca Capuano, Musikalische Leitung Barrie Kosky, Regie Rufus Didwiszus, Bühne Victoria Behr, Kostüme Franck Evin, Licht Christian Arseni, Dramaturgie Besetzung: Cecilia Bartoli, Corinna Marina Viotti, Marchesa Melibea Mélissa Petit, Contessa di Folleville Tara Erraught, Madama Cortese Edgardo Rocha, Cavalier Belfiore Dmitry Korchak, Conte di Libenskof Ildebrando D’Arcangelo, Lord Sidney Florian Sempey, Don Profondo Misha Kiria, Barone di Trombonok Peter Kellner, Don Alvaro Giovanni Romeo, Don Prudenzio Helena Rasker, Maddalena Rodolphe Briand, Zefirino Rafał Pawnuk, Antonio und andere Ensembles: Chœur de l’Opéra de Monte-Carlo Stefano Visconti Choreinstudierung Les Musiciens du Prince — Monaco In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Aufführungen | Ballett

Die kleine Meerjungfrau

Salzburger Pfingstfestspiele

frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen Ein Gastspiel des Hamburg Ballett Sehnsucht, unerfüllte Liebe, eine Schiffsreise — John Neumeier verbindet in seiner Interpretation die Geschichte von der kleinen Meerjungfrau mit biografischen Anteilen Hans Christian Andersens, der das Märchen in den 1830er-Jahren verfasste. Im Ballett erinnert sich der Dichter während einer Seereise an die Hochzeit seines Jugendfreundes Edvard mit Henriette. Eine Träne läuft ihm langsam über die Wange und fließt in ein Meer von Erinnerungen und Fantasien. Die schlichte Unterwasserwelt der Meereswesen bildet einen harten Kontrast zum pompösen Leben der Menschen an Land. Die Meerjungfrau lernt beide Welten kennen und erträgt in ihrer bedingungslosen Liebe zum Prinzen, dessen Liebe jedoch der Prinzessin gilt, endloses Leid. Die kleine Meerjungfrau bleibt allein zurück, durch ihre eigene Stärke findet sie am Ende Erlösung. Die Liebe des Dichters zu seiner kleinen Meerjungfrau gibt ihr schließlich eine Seele, die sie unsterblich macht, so wie seine Kreation auch ihm zur Unsterblichkeit verhilft. John Neumeier, Choreografie und Inszenierung Lera Auerbach, Musik John Neumeier, Kostüme, Bühnenbild, Lichtkonzept Simon Hewett, Musikalische Leitung Wiener Symphoniker Hamburg Ballett
Aufführungen | Oper

Il ritorno d’Ulisse in patria

Salzburger Pfingstfestspiele

Dramma per musica in einem Prolog und drei Akten (1640) Libretto von Giacomo Badoaro Neuinszenierung Die Phäaken haben den schlafenden Odysseus am Strand von Ithaka abgesetzt, und seine Irrfahrten sind fast überstanden. Monteverdis Oper Il ritorno d’Ulisse in patria schildert die letzte Etappe von Odysseus‘ Heimkehr aus Troja: Dank seiner göttlichen Beschützerin Minerva kann er seinen Sohn Telemachos wieder in die Arme schließen, bevor er sich in Gestalt eines greisen Bettlers zum Königspalast aufmacht, um die machtgierigen Freier seiner Frau zu vernichten. Penelope zögert zu akzeptieren, dass der Mann, dem sie während seiner 20-jährigen Abwesenheit die Treue gehalten hat, wirklich wieder vor ihr steht. Von ihrem herzzerreißenden Lamento in Akt I an widmet Monteverdi Penelope die gleiche Aufmerksamkeit wie dem Titelhelden. Der Weg bis zur glücklichen Wiedervereinigung des Paares ist gesäumt von hilfreichen und feindseligen Göttern, von treuen und weniger treuen Dienern, von heuchlerischen Freiern und einem so gefräßigen wie grotesken Schmarotzer. Dank seiner musikalischen Charakterisierungskunst erschafft Monteverdi einen vielfarbigen Kosmos, den die Mailänder Marionettenkompanie Colla mit bezaubernder Fantasie szenisch zum Leben erweckt. Gianluca Capuano, Musikalische Leitung Besetzung: Vito Priante, Ulisse Sara Mingardo, Penelope Arianna Vendittelli, Minerva Massimo Altieri, Telemaco Alessandro Ravasio, Tempo / Nettuno Raffaele Giordani, Giove / Eurimaco Carlotta Colombo, Amore / Melanto Jiayu Jin, Giunone Francesca Cassinari, Fortuna Stefano Gambarino, Eumete Jacopo Facchini, Pisandro und andere Compagnia Marionettistica Carlo Colla & Figli Les Musiciens du Prince - Monaco Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Aufführungen | Gala

Voyage de ma vie

Salzburger Pfingstfestspiele

Cecilia Bartoli & Friends Yvan Cassar, Musikalische Leitung Davide Livermore, Regie Eine inszenierte Reise durch den musikalischen Kosmos von Cecilia Bartoli Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo Mit deutschen und englischen Übertiteln
Aufführungen | Oper

Passion

Salzburger Festspiele

Oper (entstanden 2006—2007, uraufgeführt 2008) Libretto von Pascal Dusapin und Rita de Letteriis „Sprich zu mir! Ich schaue dich an, o meine Sonne, und ich erkenne dich nicht.“ Schlicht Sie und Er – „Lei“ und „Lui“ – nannte Pascal Dusapin die beiden solistischen Rollen seiner Oper Passion, doch schimmern in ihnen die Figuren von Orpheus und Eurydike wie eine ferne Erinnerung durch. Fragen, die den Komponisten bei der Konzeption seines sechsten Musiktheaterwerkes beschäftigten – etwa, ob sich Orpheus bei der Rückkehr aus der Unterwelt bewusst nach Eurydike umblickt, weil ihm klar wird, wie sehr ihr Verschwinden und sein Schmerz über den Verlust ihn als Künstler beflügeln –, schlugen sich in bezeichnenden Änderungen am Mythos nieder: Bei Dusapin wird die Frau im Gegensatz zu Eurydike nicht ge­opfert, denn sie weigert sich, dem Mann zu folgen; und auch er wird nicht in die Welt der Lebenden zurückkehren. Die 2008 uraufgeführte Oper entwickelt sich als Dialog eines Paares zwischen Wiederannäherung und Entfremdung. Dusapin überschrieb die zehn ineinander übergehenden Abschnitte – wie auch das Werk als Ganzes – jeweils mit „Passion“. Schon lange hatte er sich mit dem Gedanken an ein Projekt getragen, dessen zentrales Thema der musikalische Ausdruck von „Passionen“, von „Leidenschaften der Seele“ sein sollte. Als er 2005 vom Festival d’Aix-en-Provence den Auftrag für ein Bühnenwerk erhielt, das sich mit den drei erhaltenen Opern von Claudio Monteverdi auseinandersetzen sollte, kam ihm sofort in den Sinn, welch immense Bedeutung der Aus­druck von Affekten und Gefühlen für diesen Pionier der Oper gehabt hatte. Er beschloss daher, den Auftrag mit seinem Passionen-Projekt zu verbinden. Und so befinden sich Lei und Lui in einem ununterbrochenen Fluss wechselnder Seelenzustände: „Die Leidenschaften“, so Dusapin, „überlagern sich, prallen aufeinander und teilen sich in eine Vielzahl von Wegen, die gezeichnet sind von Angst, Freude, Schmerz, Schrecken, Begehren, Entzücken, Kummer, Liebe und Wut.“ Dusapin nimmt in seiner Partitur subtil auf Monteverdi und den Barock Bezug und erschafft doch eine ganz eigene Klangwelt: Musik von ruhiger, spannungsvoller Intensität, hypnotischer Kraft und herber Schönheit. Christian Arseni Besetzung: Sarah Aristidou, Lei Georg Nigl, Lui Schola Heidelberg, Gli altri Ensemble Modern Franck Ollu, Musikalische Leitung Ekkehard Windrich, Einstudierung Vokalensemble Thierry Coduys, Klangregie In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Aufführungen | Schauspiel

De profundis

Salzburger Festspiele

In einer Bearbeitung von Oliver Reese Aus dem Englischen von Mirko Bonné Gastspiel „Hat man das Gewicht der Sonne gewogen, die Mondphasen vermessen und die sieben Himmel Stern für Stern kartografiert, so bleibt da immer noch man selbst. Wer kann die Umlaufbahn der eigenen Seele berechnen?“ Iffland-Ring-Träger Jens Harzer, der in der Urauf­führung von Peter Handkes Schnee von gestern, Schnee von morgen zu sehen sein wird, gab im Herbst 2025 mit De Profundis sein Debüt am Berliner Ensemble. Gemeinsam mit Regisseur Oliver Reese erarbeitete Harzer den Monolog, der das Publikum in die Abgründe des Lebens von Oscar Wilde blicken lässt – ein sprachgewaltiger Versuch, sich durch die Kunst das Leben zurückzuerobern. Oscar Wilde wurde 1895 zu zwei Jahren Haft verurteilt – weil er provozierte, weil er sich über Konventionen hinwegsetzte, weil er Männer liebte und sich nicht versteckte. Sein Strafprozess war ein Exempel – weniger gegen eine Tat als gegen eine Haltung, gegen seinen unbändigen Drang nach Freiheit und Anerkennung. Sein langer Brief an Alfred „Bosie“ Douglas aus dem Gefängnis, der unter dem Titel „De Profundis“ bekannt wurde, ist der letzte Aufschrei eines gebrochenen, aber nicht gebändigten Geistes; das Protokoll eines Menschen, der stets nach den Grenzen seines bürgerlichen Lebens gesucht und der am Ende alles verloren hat. Wilde schreibt mit größter literarischer Meisterschaft von Verachtung und Einsamkeit, von Stolz und Schmerz. Und über eine Gesellschaft, die nicht duldet, was sie nicht versteht. Oliver Reese, Regie Hansjörg Hartung, Bühne Elina Schnizler, Kostüme Jörg Gollasch, Musik Steffen Heinke, Licht Johannes Nölting, Dramaturgie Besetzung: Jens Harzer Eine Produktion des Berliner Ensembles
Aufführungen | Szenische Lesung

INGEBORG BACHMANN. WER?

Salzburger Festspiele

Gedichte, Prosa, Briefe — eine szenische Lesung Manchmal werde ich gefragt, wie ich, auf dem Land großgeworden, zur Literatur gefunden hätte. – Genau weiß ich es nicht zu sagen; ich weiß nur, daß ich in dem Alter, in dem man Grimms Märchen liest, zu schreiben anfing, daß ich gern am Bahndamm lag und meine Gedanken auf Reisen schickte, in fremde Länder und an das unbekannte Meer, das irgendwo mit dem Himmel den Erdkreis schließt. Immer waren es Meere, Sand und Schiffe, von denen ich träumte, aber dann kam der Krieg und schob vor die traumverhangene, phantastische Welt die wirkliche, in der man nicht zu träumen, sondern sich zu entscheiden hat. Ingeborg Bachmann, Biographisches Claus Peymann, Jutta Ferbers, Hermann Beil, Textzusammenstellung Jutta Ferbers, Leitung Besetzung: Anna Drexler, Mavie Hörbiger, Sophie von Kessel, Sylvie Rohrer, Valery Tscheplanowa, Christoph Luser
Aufführungen | Schauspiel

Europa

Salzburger Festspiele

Nach dem Theaterstück Europa’s Pledge (Le Serment d’Europe) In der Übersetzung von Jacek Poniedziałek Gastspiel „Die Reise nach Hause ist immer eine Reise, aber nie eine wirkliche Heimkehr.“ Schweigen – Verbrechen, über die man nicht spricht. Die Nachwirkungen von Traumata zeigen sich oft erst nach Generationen. Kriege, Völkermord und Massaker an der Zivilbevölkerung geschehen ohne Unterlass. Die Welt verstummt angesichts des nächsten, noch schrecklicheren Verbrechens – und vergisst es wieder. Das Leben geht weiter – selten gibt es Strafen, was immer wieder neue Mörder auf den Plan ruft. In seiner Theaterarbeit beschäftigt sich Krzysztof Warlikowski mit Fragen von Schuld und Verantwortung und setzt moderne Konflikte in Beziehung zu antiken Tragödien. Ausgehend von einem Text des mit dem Europäischen Dramatiker·innen-Preis ausgezeichneten Wajdi Mouawad, mit dem Warlikowski schon oft zusammengearbeitet hat, weitet er seinen Blick auf vererbte Traumata. Hier erfasst uns alle die Dunkelheit: Ohne Ausnahme sind wir in traumatische Ereignisse verstrickt, sei es auf Seiten der Opfer oder der Täter. Selbst wenn wir nicht direkt an den dramatischen Ereignissen beteiligt waren, lastet die Schuld doch wie ein Fluch auf uns und hinterlässt ihre Spuren. Jedes zeitgenössische Massaker ist in eine urzeitliche Ordnung des Tötens eingebunden, die bis in mythische Zeiten zurückreicht. Es verweist auf die Gewalttaten der Götter – Akte der Vergewaltigung, aus dem Verlangen nach dem menschlichen Körper gespeist –, wovon diese Mythen erzählen. Stellen Sie sich nun das alte Europa vor – mal selbst im Blut watend, mal aus der Ferne beobachtend, wie weltweit Massaker geschehen. Können Sie sich dabei wirklich unschuldig fühlen? Und vergessen Sie nicht: Sie sind für Ihre Gefühle selbst verantwortlich. Der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski ist bekannt für Inszenierungen, in denen er historisches Material mit zeitgenössischen Themen verwebt. In den vergangenen Jahren hat er bei den Salzburger Festspielen mehrfach als Opernregisseur für Aufsehen gesorgt. Jetzt gibt er sein Salzburger Debüt als Theaterregisseur und bringt Mouawads jüngstes Stück, Europa’s Pledge, mit dem Ensemble des Warschauer Nowy Teatr auf die Bühne, dessen Künstlerischer Leiter er seit 2008 ist. Der 1968 im Libanon geborene Autor, Regisseur und Schauspieler Wajdi Mouawad leitet seit 2016 das Théâtre national La Colline in Paris. Er gilt als einer der weltweit renommiertesten Dramatiker. Seine Stücke beschäftigen sich mit dem kollektiven Erbe von Gewalt und Krieg, mit der Verdrängung von Geschichte, traumatischen Erfahrungen und der Suche nach Identität, oft vor dem Hintergrund seiner eigenen Biografie und der großen Mythen. „Meine Beziehung zur Tragödie reicht weit zurück“, sagt er. „Mein Wunsch, Theater zu machen, erwuchs aus der Tragödie, und die meisten meiner Stücke sind nach der Lektüre antiker Tragödien entstanden. Wollte man sich die großen Autoren – Shakespeare, Tschechow, Beckett – als Gärten vorstellen, so wäre Sophokles der Garten, in dem ich mich am wohlsten fühle. Ich kehre immer wieder zu ihm zurück. Meiner Meinung nach behandelt mein Stück sehr grundlegende Themen: die Beziehung zwischen extremer Gewalt und der Möglichkeit des Trostes; die Vorstellung, dass Worte ein Ort des Konflikts, aber auch der Heilung und Erkenntnis sein können.“ Ein achtjähriges Mädchen muss hilflos mitansehen, wie eine Bevölkerungsgruppe massakriert wird. Dieses Verbrechen wurde von ihrem eigenen Volk begangen, und ohne es zu wissen oder es zu verstehen, trägt sie eine Mitschuld. 75 Jahre später reißt eine Untersuchung die Wunden der Vergangenheit wieder auf. Zeug·innen werden gesucht, das Schweigen wird hinterfragt. Jetzt muss sie reden. Aber wie stellt man sich dem, was vor langer Zeit begraben wurde? Wie begegnet man einer Sache, die nie benannt wurde? Europa’s Pledge befasst sich mit der Erinnerung an ein Verbrechen, mit der Last des Schweigens und mit der Frage, wie Traumata über Generationen hinweg weitergegeben werden. Mit seinem neuen Stück, das im Sommer 2025 beim Epidaurus-Festival Premiere hatte, setzt Wajdi Mouawad seine Auseinandersetzung mit vererbter Gewalt und dem Theater als Ort der Aufarbeitung und Heilung fort. (Übersetzung: Eva Reisinger) Krzysztof Warlikowski, Regie Małgorzata Szczęśniak, Bühne / Kostüme Felice Ross, Licht Piotr Gruszczyński, Anna Lewandowska, Carolin Losch, Dramaturgie Paweł Mykietyn, Musik Kamil Polak, Video Besetzung: Claude Bardouil Andrzej Chyra Magdalena Cielecka Bartosz Gelner Małgorzata Hajewska-Krzysztofik Maja Ostaszewska Magdalena Popławska Eine Produktion des Nowy Teatr, Warschau In polnischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Aufführungen | Schauspiel

Faust I

Salzburger Festspiele

Eine Tragödie Neuinszenierung „Du bist dir nur des einen Triebs bewusst;  O lerne nie den andern kennen!“ Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Erzählung des Doktor Faust, der seine Seele dem Teufel verschreibt, zum Kernrepertoire der europäischen Literatur. In den frühneuzeitlichen Deutungen erscheint der Stoff als moraltheologische Belehrung – Faust wird zum warnenden Exempel menschlicher Hybris. Sein Pakt mit dem Teufel ist eine ausdrückliche Absage an Gott und die himmlischen Mächte, die – so heißt es im Volksbuch – „vom jhme gewiechen“ seien. Sein Weg führt ihn folgerichtig in Hölle und Verdammnis. Am Ende des 18. Jahrhunderts erfährt der Stoff durch Johann Wolfgang von Goethe eine radikale Transformation. Seine Arbeit am Faust-Projekt umfasst einen Zeitraum von etwa 60 Jahren: Die dichterische Arbeit beginnt um 1772 und endet, immer wieder unterbrochen, im Jahr 1831. Das vollständige Werk wird wenige Monate nach seinem Tod 1832 veröffentlicht. Goethe katapultiert den Faust-Stoff in die Höhe der Weltliteratur – in engste Nachbarschaft zu Homer, Shakespeare oder Dante –, semantisch überdeterminiert, ausufernd, unausdeutbar. Er entwirft einen Reflexionsraum, der den Blick weit ins 19. Jahrhundert bis in die Moderne hinein öffnet. Aus Faust, dem verdammten Ketzer der frühen Neuzeit, wird bei Goethe ein verzweifelt Suchender: „Allein ich will!“, lautet seine Parole. Mit seinem rastlos drängenden Trieb, der jede Grenze missachtet, wird Faust zum Prototyp des modernen Menschen. Soweit die Ausgangssituation: Ein gewaltiger europäischer Weltentwurf wartet darauf, immer wieder neu ausbalanciert und für die Gegenwart interpretiert zu werden. Goethes Faust ist wie eine offene Stadt, in die viele Wege hineinführen. Das Stück ist lesbar als die äußere Erzählung eines Individuums, des Gelehrten Faust, der voller Ekel und Leere seine Existenz negiert und einen neuen Anfang sucht. Die berühmte „Zueignung“ beschreibt genau diese Situation: Ein Mensch blickt zurück und ruft noch einmal etwas herbei – „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, / Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. / Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?“ Fausts berühmtes Diktum der „zwei Seelen, ach, in meiner Brust“ öffnet den Blick ins Innere. Der Schauplatz wird gewechselt und das äußere Drama gerät zum Seelenpanorama, in dem die handelnden Personen zu widerstreitenden Kräften eines zerrissenen Bewusstseins werden – Personifikationen innerer Kräfte, die einen psychischen Innenraum bespielen. Die Bühne beschreibt so gesehen keinen realistischen Ort, sondern einen Zustand. Die Figuren sind Manifestationen innerer Anteile, die gegen- und miteinander ringen. Mephisto ist keine ausgelagerte Wesenheit, sondern eine Schattenfigur des Faust selbst: seine dunkle, verachtete, verdrängte Seite. Er ist der destruktive Pol, der Faust verführt und antreibt. Mit ihm macht sich Faust auf eine Initiationsreise durch die Welt, die ihn durch die Abgründe des eigenen Bewusstseins führt – durch Lust und Verantwortung, Schöpfung und Zerstörung. Der junge Faust ist jener Teil des Wesens, in dem das Leben pulsiert, der nach Erfahrung, Berührung, Gegenwart drängt – etwas, das der alte Faust in seiner monströsen Erkenntnisgier verloren hat. Gretchen ist dessen weiblicher Anteil, der Moral, Verletzlichkeit, Unschuld und Liebe verkörpert. Sie spiegelt ihm seine eigene Unzulänglichkeit und Leere, seinen Mangel an Empathie und Hingabe. In ihrem Blick erkennt er das, was er aus sich verbannt hat und nun, unerträglich nah, vor ihm steht. Darum muss er sie zerstören. Goethe selbst bekannte sich zu seiner „nordischen Barbarey“, die jenseits der klassizistischen Humanität liegt. Die in Faust wirkenden Energien sind unauflöslich ineinander verkeilt und schleppen sich durch die wüste, entleerte Welt der Moderne – als „sehnsuchtsvolle Hungerleider nach dem Unerreichlichen“, wie es in Faust II heißt. Yvonne Gebauer Ulrich Rasche, Regie / Bühne Annika Lu, Kostüme Alfred Brooks, Komposition / Musikalische Leitung Yvonne Gebauer, Constanze Kargl, Dramaturgie Besetzung: Steven Scharf, Faust Valery Tscheplanowa, Mephistopheles Anna Drexler, Margarete Johannes Nussbaum, Junger Faust und weitere Schauspielerinnen und Schauspieler des Residenztheaters Eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Residenztheater München In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Aufführungen | Schauspiel

Jedermann

Salzburger Festspiele

Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes Wiederaufnahme „Verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst.“ - John Donne Das Leben ist schön. Und Jedermanns Leben ist besonders schön. Seine Geschäfte laufen gut. Er ist unglaublich reich. Er besitzt das schönste Haus der Stadt, seine zahllosen Bediensteten erfüllen jeden seiner Wünsche, und um seine Kunstsammlung beneiden ihn die wichtigsten Museen der Welt. Er ist nie allein und ein großzügiger Gastgeber von legendären Festen. Und er ist verliebt. Er und die Buhlschaft scheinen bereit für die nächste Phase ihrer Beziehung, die zu etwas Dauerhaftem werden könnte. Doch genau in diesem Moment, „mitten drin im besten Leben“, am Höhepunkt des gesellschaftlichen Ereignisses des Jahres, erscheint der Tod. Er will Jedermann holen. Niemanden sonst. Nur ihn. Ganz allein. Diese plötzliche Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit ist für Jedermann kaum zu fassen, geschweige denn zu verstehen oder zu akzeptieren. Die Reichtümer, die er angehäuft hat, sind ihm in diesem Moment keine Hilfe. Und das Wissen, dass der Tod auch andere holen wird – und früher oder später zu allen kommen wird –, ist ihm kein Trost. Zunächst sieht er das Erscheinen des Todes als ein Hindernis an, das es wie so vieles in seinem beruflichen und privaten Leben zu überwinden gilt: ein Problem, das sich mittels Verhandlungen, Charme, Beziehungen, gegebenenfalls durch die schlichte Weigerung, ein Nein zu akzeptieren, oder ganz schnöde mit Geld lösen lässt. Erst als diese Bemühungen gescheitert sind und alle, die gerade noch auf seine Kosten geschlemmt und Champagner getrunken haben, ihn im Stich lassen, beginnt Jedermann zu begreifen, dass sein Leben tatsächlich vorbei ist. Darauf ist Jedermann nicht vorbereitet. Vielleicht zum allerersten Mal kann er sein Leben nicht aus einer materiellen Perspektive betrachten, und ihm gehen viele, zum Teil auch widersprüchliche Gedanken und Gefühle durch den Sinn. Dahinter lauern Fragen, wie sie sich vor ihm schon so viele andere Menschen am Ende ihres Lebens gestellt haben: Wie hätte ich das verhindern können? Habe ich auch Gutes bewirkt? Warum war ich so sehr auf das Hier und Jetzt fixiert? Warum habe ich so viele wichtige Dinge übersehen? Warum habe ich nicht anders gehandelt? Was bedeutet das alles? Und: Kann ich wirklich nichts tun, um Wiedergutmachung zu leisten? Hugo von Hofmannsthal knüpft mit seinem Stück an mittelalterliche Moralitäten an, die schon viele Jahrhunderte alt waren, als er sie zur Hand nahm. Seine Version ist zwar verankert im christlichen Glauben, wie er selbst ihn praktizierte, doch in einem Essay, den er – kurz nach Fertigstellung des Stücks – 1912 schrieb, betonte Hofmannsthal, das Thema sei zeitlos und „nicht einmal mit dem christlichen Dogma unlöslich verbunden“. Auch wenn er ausdrücklich vom Tod eines reichen Mannes erzählte, ging es Hofmannsthal immer um die Allgemeingültigkeit des Stoffs. Hofmannsthals Jedermann ist ein fester Bestandteil im Programm der Salzburger Festspiele seit ihrer Gründung im Jahr 1920. Neben dem nach wie vor aktuellen Thema ist ein weiterer wichtiger Grund für die anhaltende Beliebtheit die überaus charakteristische Sprache, die der Autor über mehrere Jahre hinweg entwickelt hat. Die Verse des Dramas bemühen sich bewusst um eine altertümliche Patina, haben aber gleichzeitig eine lebendige, vorwärtstreibende Energie. Die unregelmäßigen Versrhythmen und Reimschemata geben den Dialogen Halt und Kraft, ohne sie jemals vorhersehbar werden zu lassen. Es ist eine Sprache, die man genießen kann und die immer wieder überrascht. Eine Aufführung des Jedermann auf dem Domplatz (oder bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus) ist mehr als ein gewöhnlicher Theaterabend: Man nimmt an einem Ritual teil, das seit mehr als einem Jahrhundert Bestand hat, und setzt sich mit Gedanken und Emotionen auseinander, die schon viele Generationen vor uns beschäftigt haben. Denn ob es uns gefällt oder nicht: Letztlich gehen sie uns alle an. Die Inszenierung von Robert Carsen knüpft an diese Tradition an und erschafft eine lebendige, zeitgenössische Welt, deren opulente Details und ausladende Dimensionen Hofmannsthals Kritik an materialistischen Werten unterstreicht und seiner Forderung nach einer tiefen spirituellen Reflexion Nachdruck verleiht. Seine hochgelobte Interpretation mit Philipp Hochmair in der Titelrolle kehrt nun zum dritten Mal zurück. David Tushingham (Übersetzung: Eva Reisinger) Robert Carsen, Regie / Bühne / Licht Luis F. Carvalho, Bühne / Kostüme Giuseppe Di Iorio, Licht Rebecca Howell, Choreografie David Tushingham, Dramaturgie Besetzung: Dominik Dos-Reis, Tod Philipp Hochmair, Jedermann Daniela Ziegler, Jedermanns Mutter Christoph Luser, Jedermanns guter Gesell / Teufel Jannik Görger, Der Hausvogt Susanne Wende, Der Koch Sylvie Rohrer, Ein armer Nachbar / Werke Arthur Klemt, Ein Schuldknecht Nicole Beutler, Des Schuldknechts Weib Roxane Duran, Buhlschaft Lukas Vogelsang, Dicker Vetter Daniel Lommatzsch, Dünner Vetter Kristof Van Boven, Mammon Juliette Larat, Glaube Ensemble 013 Dauer: ca. 1 h 50 min, ohne Pause
Aufführungen | Schauspiel

Schnee von gestern, Schnee von morgen

Salzburger Festspiele

Das Lautwerden des einen Kreuz-und-Quer-Gehenden zeit seines jeweiligen Innehaltens Uraufführung „Welch ein Glück in diesem deinem Leben, und was für ein Glück erst wird dich erwarten im nächsten!“ Wie erzählt man von der Welt, ohne sie zu erklären? Ohne sie besitzen zu wollen? Wie spricht man über das Ich, ohne es festzulegen? Wie klingt Erinnerung? Und was soll dieses Leben überhaupt? Peter Handke hat die Welt stets neu vermessen – mit Sprache und im Widerstand gegen ihre Abnutzung. Auch in seinem neuen Text bleibt er diesem poetischen Forschen treu – vielleicht radikaler, vielleicht zarter denn je, jedoch nicht ohne jenen feinen Humor, jene Selbstironie, mit der er auch seinen eigenen Ernst nonchalant unterläuft. Alles „Schnee von gestern“? Und wenn? Ein Mensch unterwegs, kein fest umrissener Charakter, sondern ein Kreuz-und-Quer-Gehender, einer, der sich mal tastend, mal springend durch innere wie äußere Landschaften bewegt. Eine Selbstbefragung vielleicht, eine Abschiedsmelodie möglicherweise, ein stilles Lachen, das Hintersinn suggeriert. „Oder auch nicht.“ Im Gehen trägt er zusammen, was ihm begegnet. Und aus diesen Splittern entsteht ein magisches Tableau des Weltbeobachtens, das sich dem großen Ganzen verweigert – und es gerade darin aus der Tiefe des Einzelnen, aus seiner rücksichtslosen Subjektivität heraus offenbart. „Oder auch nicht“ – eine sprachliche Wendung, mit der uns Handke immer wieder auf uns selbst und unsere eigene Wahrnehmung zurückwirft. Handke tanzt mit der Sprache, spielt mit sich und uns, fordert heraus, reiht Sprichwörter, Theatersätze, Nonsens-Sprüche, Assoziationen und Reflexionen aneinander, geht mit uns und sich ins Gericht, erlaubt sich Abschweifung, Albernheit, Staunen – und verliert sich mit voller Absicht: in einem Raum, der weder Anfang noch Ende kennt, sondern nur Bewegung. Bis der eine, der da unentwegt spricht, zurücktritt, aufbricht, verschwindet und ein anderer übernimmt: „Angeblich soll er vor einiger Zeit noch gesehen worden sein, als letzter Fahrgast hinten zusammengekauert im allerletzten Nachtbus.“ Peter Handke, 1942 in Kärnten geboren, wurde 2019 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nicht erst seither wurde gestritten: um Fragen nach der Verantwortung von Literatur, nach dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit – Debatten, die in der mäandernden Suche von Handkes außerordentlichen, gleichsam poetischen wie provozierenden Texten immer schon angelegt waren. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Essays, Drehbücher, Übersetzungen und Gedichte. Das Theater revolutionierte er mit seinem ersten, inzwischen legendären Stück Publikumsbeschimpfung (1966) und weiteren Texten wie beispielsweise Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (1992), ein Stück, das gänzlich ohne jedes gesprochene Wort auskommt. Für das dramatische Epos Immer noch Sturm, das 2011 im Rahmen der Salzburger Festspiele uraufgeführt wurde, fand der Autor in dem Schauspieler Jens Harzer nicht nur einen begeisterten Leser, sondern einen Künstler, der Handkes Sprache kongenial auf die Bühne zaubert. Schnee von gestern, Schnee von morgen wird auf ausdrücklichen Wunsch Peter Handkes in Salzburg – jener Stadt, mit der er eng verbunden ist – uraufgeführt. Regie führt der für seine feinsinnigen Inszenierungen bekannte, vielfach ausgezeichnete Schauspiel- und Opernregisseur Jossi Wieler, der bereits seine achte Produktion für die Salzburger Festspiele realisiert. Gemeinsam mit Jens Harzer und Marina Galic, beide Mitglieder des Berliner Ensembles, widmet er sich nun Handkes jüngstem Text, der vom Verlag explizit als „ein Stück für die Bühne“, „ein Lied ohne Kehrvers“ angekündigt wurde – ein Text also, der nicht nur gelesen, sondern unbedingt gespielt werden will. Ein musikalischer Text, ein Text über die theatrale Kraft des Erzählens selbst, über das Fragen und Ertragen und den Jubel im Moment des Verschwindens. „Welch ein Glück in diesem deinem Leben, und was für ein Glück erst wird dich erwarten im nächsten!“ Sibylle Baschung Jossi Wieler, Regie Anja Rabes, Bühne / Kostüme Biber Gullatz, Musik Sibylle Baschung, Dramaturgie Besetzung: Jens Harzer Marina Galic Eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Berliner Ensemble
Aufführungen | Schauspiel

Der Menschenfeind

Salzburger Festspiele

Komödie in fünf Akten Aus dem Französischen von Frank-Patrick Steckel Neuinszenierung „Mich soll man meinen, mich; uns beide trennen Welten; / Ich plane nicht, als Freund der Gattung Mensch zu gelten.“ Molières Komödie Der Menschenfeind, die im Jahr 1666 wie die meisten seiner Stücke mit dem Autor in der Titelrolle uraufgeführt wurde, ist eine funkelnde Satire auf gesellschaftliche Heuchelei, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Im Zentrum steht der unversöhnliche Konflikt zwischen kompromisslosem Idealismus und einer Welt, in der Selbstinszenierung und Lüge als missverstandene Höflichkeit zur Regel geworden sind. Alceste, der „Menschenfeind“, ist ein Mann radikaler Ehrlichkeit. Er verachtet die Lügen, Intrigen, Masken und Spiele, die in der höfischen Welt zum Alltag gehören und den Ruf eines Menschen stärker prägen als seine realen Taten. Konsequent und unnachgiebig vertritt er seine Auffassung, auch wenn sie ihn zum Außenseiter in eben jener Gesellschaft macht. Alceste bewegt sich damit zwischen dem Pol des tragischen Helden, der an seinen Idealen zu zerbrechen droht, und dem eines lächerlichen Clowns, der nicht gewillt ist, auch nur einen Fußbreit auf seine Mitmenschen zuzugehen. Ihm gegenüber steht Célimène, eine junge Witwe, die intelligent, witzig und charmant eine Meisterin der Konversation ist und sich lustvoll auf das gesellschaftliche Spiel einlässt. Ihr Salon bildet den Mittelpunkt der Handlung – ein Ort der Intrigen, des Klatsches und der doppelbödigen Kommunikation. Célimène versteht es, Verehrer gegeneinander auszuspielen, ihre Stellung zu sichern und soziale Netzwerke zu nutzen. Trotz all seiner moralischen Ansprüche liebt Alceste diese Célimène. Und so wird diese Liebe zum Ausdruck seines inneren Dilemmas: Er begehrt eine Frau, die alles verkörpert, was er verachtet. Sein Versuch, sie zu einem Leben im Einklang mit seiner Wahrheit zu bekehren, ist zum Scheitern verurteilt. Am Ende bleibt ihm nur der Rückzug in die Einsamkeit – eine radikale Konsequenz in einer Welt, die seine Prinzipien nicht teilt. Molière verortet diesen – auch sein Leben prägenden – Konflikt im Mikrokosmos eines höfischen Salons, der als Modell für eine Gesellschaft dient, in der der Schein wichtiger ist als das Sein. In dieser Welt sind Lügen oft funktionaler als Wahrheiten, und diplomatische Höflichkeit ist die Voraussetzung für das Zusammenleben. Gleichzeitig stellt er mit Alceste dieser Welt keine Figur gegenüber, deren Handeln und Moral als nachahmenswert erscheint – zu sehr kreist er um sich selbst und ist nicht fähig, eine gewisse Großzügigkeit oder Menschlichkeit walten zu lassen. Übrig bleibt ein mehr oder weniger leeres Ich. Der Menschenfeind stellt damit grundsätzliche Fragen: Ist radikale Ehrlichkeit lebbar und überhaupt wünschenswert – oder eher ein theoretisches, destruktives Konstrukt? Wie viele Kompromisse sind nötig, um in einer Gesellschaft zu bestehen? Trotz existenzieller Tiefe ist Der Menschenfeind eine Komödie. Das Tragische schlägt immer wieder ins Komische um, wenn etwa Alceste in seiner Rechthaberei der Eifersucht verfällt oder in Selbstgerechtigkeit versinkt – und den Außenblick auf sich selbst gänzlich verliert. Molière gelingt zudem das Kunststück, philosophische Reflexionen mit unterhaltsamen Szenen zu verbinden. Er macht uns lachen durch Überzeichnung, durch Entlarvung von Idealismus in einer fehlerhaften Welt. Ursprünglich für die höfische Gesellschaft Ludwigs XIV. geschrieben, bleibt Der Menschenfeind bis heute relevant. Themen wie gesellschaftliche Anpassung, die Masken des Alltags, der Wunsch nach Authentizität und die Angst vor Ausgrenzung sind universell. In Zeiten von Social Media, Selbstoptimierung, Lüge und öffentlicher Inszenierung hat Molières Stück eine verblüffende Aktualität. Die Regisseurin Jette Steckel – bekannt für ihre bildstarken und emotional dichten Inszenierungen – bringt Molières Stück mit zeitgenössischem Blick auf die Bühne. Steckel, vielfach ausgezeichnet (unter anderem mit dem Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares, einer Einladung zum Berliner Theatertreffen und dem Theaterpreis Der Faust), ist dem Thalia Theater bereits lange verbunden und wird mit dem dortigen Ensemble die Reise durch den Molière’schen Kosmos unternehmen. Sonja Anders, Nora Khuon Jette Steckel, Regie Florian Lösche, Bühne Pauline Hüners, Kostüme Mehdi Moradpour, Dramaturgie Besetzung: Lisa Hagmeister Camill Jammal Barbara Nüsse Cathérine Seifert André Szymanski und andere Eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Thalia Theater, Hamburg
Aufführungen | Schauspiel

Unter Tieren

Salzburger Festspiele

Uraufführung „Ich beschreibe hier den Weg, ich sage aber nicht, wohin er führt.“ Die Wege des Geldes sind unergründlich. Für manche führen sie zielstrebig bergauf, für andere erweisen sie sich als Sackgasse oder als Pfad in Richtung Prekariat. Alternative Routen existieren anscheinend nicht: Geld regiert die Welt und uns und unser Leben und deshalb bleibt ihm Elfriede Jelinek als Chronistin und Kassandra hartnäckig und folgerichtig auf den Fersen – und manchmal ist sie ihm auch ein paar entscheidende Schritte voraus. Jelineks jüngstes Drama Unter Tieren holt weit aus und zielt dabei treffgenau in die Untiefen unserer verlogenen und ideell ausgehöhlten Gesellschaftswelt. Von der Bibel bis zu René Benko wird nichts ausgelassen: Es geht um unstillbare Raffgier, um phrasendreschende Politiker und Wirtschaftsbosse, um geheuchelte Systemkritik und um Begriffe wie soziale Gerechtigkeit oder Chancengleichheit, die mittlerweile nur noch Worthülsen zu sein scheinen. Es geht um menschliche Käuflichkeit und um unverschämte, skrupellose Korruption. Und natürlich um eine scheinbar nicht kleinzukriegende Rüstungs­industrie, um Kriege, um Geld verschlingende, mörderische Kriege. Wir leben in einer trotz ihrer Dysfunktionalität erstaunlich resilienten Wirtschafts- und Finanzwelt, die immer mehr auf den Hund kommt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Elfriede Jelinek die unendliche Geschichte des Mammons aus der Sicht von Tieren erzählt. Immer verständnisloser, dafür mit wachsendem Sarkasmus quieken, muhen, gurren und brummen hier Bären, Kühe, Schweine, Tauben, das Lamm Gottes oder auch der „Für und Widder“ und erzählen uns Menschen von „Notaren, die nichts notieren, Wirtschaftsprüfern, die nichts prüfen, Anwälten, die nicht walten, Wandelanleihen, die nicht wandeln, und Zinsen für laufende Kredite, die nicht rechtzeitig davongelaufen sind“. Unter Tieren ist ein Stück darüber, wie wir konsequent an unserem selbstverschuldeten Unglück arbeiten. Wir weigern uns, unsere Lektion zu lernen und rasen wider besseres Wissen sehenden Auges in die Apokalypse des Kapitalismus. Denn klar ist in Unter Tieren: Die Welt ist aus den Fugen, und der Finanzmarkt wird es nicht richten. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die im Jahr 2026 ihren 80. Geburtstag begeht, beweist mit diesem Stück erneut, dass sie die bedeutendste deutschsprachige Dramatikerin ist. Ihre künstlerische und politische Radikalität hat die Theaterlandschaft für immer revolutioniert. Es gibt nur wenige Regisseur·innen, mit denen sie so kontinuierlich und erfolgreich gearbeitet hat wie mit Nicolas Stemann – und so zeichnet dieser nun auch für die Urauf­führung von Unter Tieren verantwortlich. Thomas Jonigk Nicolas Stemann, Regie Katrin Nottrodt, Bühne Marysol del Castillo, Kostüme Thomas Kürstner, Sebastian Vogel, Musik Bernd Purkrabek, Licht Benjamin von Blomberg, Sarah Lorenz, Dramaturgie Claudia Lehmann, Konrad Hempel, Live-Video Besetzung: Mavie Hörbiger Caroline Peters Sebastian Rudolph Thiemo Strutzenberger Barbara Petritsch Azaria Dowuona-Hammond und andere Eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit der BURG In deutscher Sprache
Aufführungen | Performance

PHILIPP HOCHMAIR – „Hochmair, wo bist du?“

Salzkammergut Festwochen Gmunden

Philipp Hochmair | Lesung, Performance Katharina von der Leyen | Text Mit seiner kompromisslosen Bühnenenergie und seinem radikalen Zugang zu Literatur zählt Philipp Hochmair seit Jahren zu den prägendsten Schauspielern des deutschsprachigen Raumes. Ob in Film und Fernsehen oder auf den großen Theaterbühnen – Hochmair sprengt Konventionen, verbindet körperliche Intensität mit poetischer Wildheit und verwandelt klassische Stoffe in vibrierende Gegenwartsperformances. Spätestens seit „Jedermann Reloaded“ und seinem fulminanten Einspringen bei den Salzburger Festspielen 2018 ist er einem breiten Publikum als leidenschaftlicher Grenzgänger bekannt. Auch im Sommer 2026 steht Hochmair wieder als „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne – und dennoch nimmt er sich die Zeit, erneut nach Gmunden zu kommen. „Hochmair, wo bist du?“ führt tief hinein in seine persönliche und künstlerische Welt. Die Journalistin und Bestsellerautorin Katharina von der Leyen hat den Schauspieler über Monate begleitet und ein vielschichtiges Porträt gestaltet – voller Gespräche, Beobachtungen und Momentaufnahmen eines Mannes, der seine Rollen so intensiv lebt, dass er dabei manchmal sich selbst verliert. Entstanden ist ein Buch, das Biografie, Analyse und künstlerische Expedition verbindet. Auf der Bühne entfaltet Hochmair diese Vorlage als atmosphärische Live-Performance: ein vibrierender Dialog zwischen Text, Körper und Präsenz. Er zeigt jene verletzliche Tiefe und ungebändigte Kraft, die sein Spiel auszeichnen – den rastlosen Suchenden, den leidenschaftlichen Performer, den kompromisslosen Künstler. Literatur wird zu Klangkörpern, Emotionen werden körperlich erfahrbar, und aus Fragmenten entsteht ein pulsierendes Selbstporträt. Der Toscanapark bietet dafür den idealen Schauplatz: die Weite des Traunsees, das Abendlicht, die offene Natur – ein Rahmen, in dem Hochmairs Intensität sich entfalten kann. Ein Abend, der Schauspiel, Poesie und Persönlichkeit verschmelzen lässt und den Besucher:innen einen der außergewöhnlichsten Künstler unserer Zeit näherbringt.
Aufführungen | Musiktheater

Die Geschichte vom Soldaten

Salzkammergut Festwochen Gmunden

Naoka Aoki | Violine Stepan Kratochvil | Kontrabass Alexandra Gruber | Klarinette Johannes Hofbauer | Fagott Quirin Willert | Posaune Thomas Oberleitner | Trompete Michael Leopold | Schlagwerk Michael Dangl | Rezitation Ein außergewöhnlicher Abend zwischen Erzählkunst und Musiktheater: Der österreichische Kammerschauspieler Michael Dangl und sechs herausragende Musiker:innen der Münchner Philharmoniker, angeführt von Konzertmeisterin Naoka Aoki, bringen Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ in Gmunden zur Aufführung. Den Auftakt bildet Hans Christian Andersens Märchen „Der standhafte Zinnsoldat“. Dangl rezitiert die Geschichte mit feiner sprachlicher Kunst und verleiht ihr eine neue Dimension, während die Musiker:innen sie in wechselnden Besetzungen musikalisch umspielen und zum Leuchten bringen. So öffnet sich ein poetischer Klangraum, der als Einstimmung unmittelbar in Strawinskys Werk hineinführt. „Die Geschichte vom Soldaten“, von Igor Strawinsky und dem Dichter Charles Ferdinand Ramuz während des Ersten Weltkriegs als Wandertheaterstück konzipiert, erzählt vom Handel eines Soldaten mit dem Teufel – eine Parabel über Verführung, Gier und Verlust, die bis heute nichts an Kraft und Aktualität eingebüßt hat. In dieser besonderen Interpretation übernimmt Michael Dangl sämtliche Sprechrollen und verbindet dramatische Intensität mit feinem Humor und erzählerischer Leichtigkeit. Das Ensemble der Münchner Philharmoniker – mit Violine, Kontrabass, Klarinette, Fagott, Posaune, Trompete und Schlagwerk – entfaltet dazu Strawinskys brillanten Klangkosmos zwischen Marsch, Tango, Walzer und Jazz. Präzision, Virtuosität und Spielfreude machen die Aufführung zu einem eindringlichen Gesamtkunstwerk, das Schauspiel und Musik in seltener Intensität vereint. Ein Abend von großer Strahlkraft, der Andersen, Strawinsky und Ramuz in Gmunden zu einem außergewöhnlichen Erlebnis verschmilzt.
Aufführungen | Kabarett

Kabarettistisches Ein-Mann-Theater von Alfred Dorfer

Salzkammergut Festwochen Gmunden

Alfred Dorfer | Kabarettist Bären, Karpfen, Sonnenblumen oder Großmütter – der Gedankenturner Alfred Dorfer bringt sie in seinem neuen Solostück „GLEICH“ alle auf die Bühne und verknüpft sie zu einer Geschichte voller Wendungen, Exkurse und überraschender Erkenntnisse. Doch „GLEICH“ ist weit mehr als ein kabarettistisches Panoptikum schräger Figuren. Es ist eine kluge, humorvolle und manchmal verstörende Auseinandersetzung mit dem, was wir Realität nennen. Was ist wahr? Was ist erfunden? Und – sind wir uns wirklich so sicher, dass wir den Unterschied erkennen? Mit jener unverwechselbaren Mischung aus Poesie, Philosophie und präziser Beobachtung, die ihn seit Jahrzehnten auszeichnet, schlüpft Dorfer virtuos in verschiedenste Rollen, wechselt Tempo, Ton und Perspektive mit spielerischer Leichtigkeit. Die Grenzen zwischen Erzählung und Theater, zwischen Witz und Nachdenklichkeit lösen sich auf – und genau darin liegt der Reiz dieses Abends: ein ständiges Changieren zwischen Komik und Erkenntnis. Alfred Dorfer ist einer der prägenden Satiriker des deutschsprachigen Raums. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Bayerischen Kabarettpreis und dem Schweizer Cornichon, hat er sich mit seinem unverwechselbaren Stil – messerscharf, selbstironisch und von seltener sprachlicher Eleganz – längst einen festen Platz in der Kulturlandschaft geschaffen. Ein Abend voller Witz, Tiefe und überraschender Wahrheiten – intelligent, hintersinnig und ganz einfach: „GLEICH“ typisch Dorfer. Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Kulturreferat der Stadtgemeinde Laakirchen.
Aufführungen | Szenische Lesung

Kunst

Salzkammergut Festwochen Gmunden

Christoph Grissemann | Rezitation Manuel Rubey | Rezitation Robert Stachel | Rezitation Ein Bild, weiß mit weißen Streifen – und drei Männer, die daran zu zerbrechen drohen. Als Serge ein monochromes Gemälde zu einem stolzen Preis erwirbt, gerät das Fundament einer jahrelangen Freundschaft ins Wanken. Was zunächst wie ein harmloser Streit über Kunst beginnt, entfaltet sich rasch zu einer existenziellen Auseinandersetzung über Werte, Lebensentwürfe und das fragile Geflecht zwischen Nähe und Distanz. Mit messerscharfem Humor und bitterer Ironie seziert Yasmina Reza in ihrer vielfach ausgezeichneten Komödie „KUNST“ die Verletzlichkeit menschlicher Beziehungen. Drei Großstadtneurotiker stolpern durch Zorn, Enttäuschung und gekränkte Eitelkeit – und lassen dabei nicht nur Weltbilder aufeinanderprallen, sondern auch die Rituale ihrer Männerfreundschaft zerbröckeln. Zwischen erbarmungslosen Attacken, entwaffnender Offenheit und überraschenden Versöhnungen entwickelt sich ein hochkomisches Gefecht, das ebenso geistreich wie schonungslos ist. Christoph Grissemann, Manuel Rubey und Robert Stachel – drei Ausnahme-Humoristen, die man aus Kabarett, Fernsehen und Bühne kennt – erfüllen sich mit dieser szenischen Lesung ein Herzensprojekt. Als kongeniales Trio loten sie mit feiner Spielfreude und pointensicherem Timing die Abgründe und Absurditäten dieser „Männerfreundschaft am Limit“ aus. Ein Abend, der scharfzüngige Dialoge, intelligentes Theater und hinreißend komische Momente vereint – ein Fest für alle, die Lust haben, über die Bedeutung von Kunst und die Komplexität menschlicher Beziehungen gleichermaßen zu lachen und nachzudenken. Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Kulturreferat der Stadtgemeinde Laakirchen.
Aufführungen | Oper

Così fan tutte

Salzburger Festspiele

ossia LA SCUOLA DEGLI AMANTI Dramma giocoso in zwei Akten KV 588 (1790) Libretto von Lorenzo Da Ponte „Wie sich mein Schicksal plötzlich geändert hat! Das Leben ist für mich nun ein Meer voller Qualen!“ Geschrieben 1789, kurz nach dem Sturm auf die Bastille und in den letzten Monaten der Herrschaft von Joseph II., beschreibt Così fan tutte die höchste Blüte des alten Regimes an dem Punkt seiner Auflösung. Alles beginnt in einem Kaffeehaus in Neapel – ein Ort voller Ambivalenzen, an dem die landschaftliche Schönheit in scharfem Kontrast zur allgegenwärtigen Bedrohung durch den Vesuv steht. In diesem atmosphärischen Spannungsfeld entfaltet sich das Geschehen, das alle Figuren gleichermaßen erschüttern wird. Don Alfonso, desillusioniert von der Liebe, erklärt seine Weltanschauung: „Die Treue der Frauen ist wie der arabische Phönix: Man sagt, sie existiere, doch niemand hat sie je gesehen.“ Mit dieser These provoziert er die beiden Verliebten Ferrando und Guglielmo und bringt sie dazu, eine Wette einzugehen: In einem von Don Alfonso inszenierten Experiment soll die Treue ihrer Verlobten Dorabella und Fiordiligi auf die Probe gestellt werden. Es geht ihm dabei jedoch nicht allein um die Frage der Treue, sondern darum, die Relativität der Liebe offenzulegen – und zu beweisen, dass jenes Gefühl, das die Menschen für unverrückbar halten, in Wahrheit den Gesetzen von Spiel, Täuschung und Zufall unterliegt. Was als gesellschaftliches Spiel beginnt, entwickelt sich zu einer gnadenlosen Versuchsanordnung. Hier werden Herzen auseinandergenommen, seziert und wieder neu zusammengesetzt – die Paare betreten die schwindelerregende Zone der Liebe. Jeder und jede von ihnen erlebt sich selbst als fremd: Fiordiligi, die anfangs unerschütterlich erscheint, wird von einer Leidenschaft überwältigt, die sie zugleich beglückt und erschreckt. Dorabella lässt sich scheinbar mühelos auf das Neue ein, doch ihre Leichtigkeit verrät ein Wissen um die Fragilität des Herzens. Die Männer, die glaubten, die Regeln zu bestimmen, finden sich am Ende selbst geprüft, ihre eigenen Schwüre entwertet. Selbst Don Alfonso kann seine Position als unbeteiligter Beobachter nicht länger aufrechterhalten. Im Lauf der Handlung werden sich alle gewohnten Koordinaten auflösen, wird jede Gewissheit suspendiert werden. Despina, Don Alfonsos Verbündete, weist den beiden Frauen einen Weg aus der Krise. Sie hat sich in der Welt der Unbeständigkeit und Treulosigkeit eingerichtet. Für sie ist die Liebe Vergnügen und Zeitvertreib: „Einer ist so viel wert wie der andere, denn keiner ist etwas wert.“ Doch ihre Weisheit ist nicht die des Stücks! Così fan tutte bewegt sich in ganz anderen Dimensionen: Es untersucht die Frage, wie die Menschlichkeit gerettet werden kann – trotz der Ereignisse, die Despina recht geben könnten. Die rätselhafte Wahrheit des Librettos offenbart sich ganz erst durch Mozarts Musik: Er komponiert keine distanzierende Ironie und überantwortet die menschlichen Beziehungen nicht der Verhöhnung durch ihre Darstellung als marionettenhafter Mechanismus. Er berührt vielmehr das schlagende Herz des Geschehens – und damit das tiefe Geheimnis der Liebe. Die Musik entwickelt eine einigende Kraft, ohne das Geschehene zu leugnen; die widerstreitenden Elemente werden ohne Gewalt wieder zusammengeführt: Alle Personen wissen um das Leid und die Tränen. Doch sie haben durch ihre schmerzliche Erfahrung die Heiterkeit und eine Art von Harmonie der Herzen erreicht. Lachen und Weinen erscheinen gleichgeordnet. In der musikalischen Verkörperung der errungenen „bella calma“ ist keine Spur von Ironie. Alle Beteiligten vermögen es, mit einem tieferen Wissen über die Welt zu sich selbst zurückzukehren – vielleicht begleitet von der leisen Frage, mit der Heinrich von Kleists Essay „Über das Marionettentheater“ von 1810 ausklingt: „Müßten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen?“ Yvonne Gebauer Besetzung: Elsa Dreisig, Fiordiligi Victoria Karkacheva, Dorabella Andrè Schuen, Guglielmo Bogdan Volkov, Ferrando Lea Desandre, Despina Johannes Martin Kränzle, Don Alfonso Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor Jozef Chabroň, Choreinstudierung Wiener Philharmoniker Joana Mallwitz, Musikalische Leitung Christof Loy, Regie Johannes Leiacker, Bühne Barbara Drosihn, Kostüme Olaf Winter, Licht Mit Unterstützung der Freunde der Salzburger Festspiele e.V. Bad Reichenhall In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

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